Im Zweiten Weltkrieg veröffentlichte die Wiener Großbäckerei Hammerbrotwerke in ihrer Werkszeitung Feldpost von zur Wehrmacht eingezogenen Mitarbeitern. Die Briefe zeigen, wie Soldaten Geschlechterbilder und männlich-soldatische Sinnangebote zur Orientierung und Selbstinszenierung nutzten.

Einige Wochen nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 verfasste der Soldat Vinzenz Siegelbauer einen Feldpostgruß an seine ehemaligen Kolleg*innen der Wiener Großbäckerei Hammerbrotwerke:
„Wer von euch bisher noch nicht einberufen wurde, dem sei gesagt, daß der Mann, der sein Zivilkleid mit dem Waffenrock vertauscht, in diesem Augenblick ein anderer Mensch wird.“1
Siegelbauer, zuvor Bürogehilfe im Betrieb,2 war nun Kommandoführer eines Lagers für polnische Kriegsgefangene. Sein in der Werkszeitung der Hammerbrotwerke veröffentlichter Brief zeigt, wie sehr er die neue Rolle als sozialen Aufstieg empfand. Die Truppe gebe ihm, wie er schreibt, „Selbstbewußtsein und […] Mannesstolz“3.
Die Großbäckerei Hammerbrotwerke

Die Hammerbrotwerke entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund exorbitanter Brotpreise und wiederkehrender Tarifkonflikte mit kommerziellen Brotfabriken, allen voran der Ankerbrotfabrik. Um 1900 wuchs unter der Wiener Arbeiterschaft der Wunsch nach einer eigenen Brotproduktion.
Auf Initiative des Ersten Niederösterreichischen Arbeiter-Konsumvereins gründeten Ferdinand Skaret, Ferdinand Hanusch und Benno Karpeles 1906 eine Offene Handelsgesellschaft, aus der 1909 die Hammerbrotwerke hervorgingen.4
Feldpostbriefe als Räume performativer Männlichkeit
Der Abdruck von Feldpost in Werkszeitungen war bereits im Ersten Weltkrieg üblich und wurde im Zweiten fortgeführt.5 Feldpost ist ein Kommunikationsmedium, in dem soziale Wissensbestände und normative Vorstellungen artikuliert werden.6 In ihr zeigen sich Eigen- und Wunschbilder soldatischer Männlichkeit, die im Krieg eine besondere Attraktivität entfalten, da Geschlechtsstereotype ein scheinbar stabiles und allgemeingültiges Orientierungswissen bereitstellen.7
Die Feldpost in Werkszeitungen ist aufgrund ihres halböffentlichen Charakters besonders aufschlussreich: Die Briefe wurden sowohl von zivilen Kolleg*innen als auch von anderen Soldaten gelesen. In vielen Feldpostbriefen der Hammerbrotwerke bedanken sich Soldaten für oder bitten um die Zusendung der Werkszeitung, die durch vertraute Inhalte und Namen ein Stück Heimat an die Front brachte. Gleichzeitig entschied die Schriftleitung, welche Zeilen in der Zeitung veröffentlicht wurden und welche nicht.8
Die Schreibenden waren sich des möglichen Abdrucks bewusst,9 neben der offiziellen Feldpostzensur durch Prüfstellen10 beeinflussten anzunehmenderweise der Wunsch nach Veröffentlichung und die angenommenen Leser*innen Inhalte, Wortwahl und Tonfall der Briefe.11
Funktionen der Feldpost für Betrieb und Belegschaft

Die Werkszeitung der Hammerbrotwerke erschien von März 1937 bis Dezember 1944 in insgesamt 67 Ausgaben und wurde den Mitarbeitenden kostenlos zur Verfügung gestellt.12 Für die Hammerbrotwerke erfüllte die dortige Veröffentlichung von Feldpost mehrere Funktionen:
Erstens suggerierten die in den Briefen vielfach formulierten Dankesbekundungen für sogenannte Liebesgabenpakete, die von Arbeiterinnen der Hammerbrotwerke gepackt wurden, eine intakte Betriebswohlfahrt.13 Zweitens sollte die Darstellung der Einsatzbereitschaft und Tapferkeit der Soldaten der zivilen Belegschaft als Vorbild dienen und deren Leistungsbereitschaft fördern.14
Für die Soldaten wiederum bot die Feldpost an den Betrieb die Möglichkeit, materielle Zuwendungen wie Backwaren oder Zigaretten zu erhalten, Lebenszeichen zu senden und soziale Bindungen aufrechtzuhalten.15 Das Schreiben half den Soldaten, ihre Vorkriegsidentität nicht gänzlich zu verlieren und Gegenwelten zum Krieg aufrechtzuerhalten.16 Zahlreiche Briefe verweisen nostalgisch auf frühere Arbeitsjahre und auf gemeinsame Erlebnisse:
„Ich erinnere mich dankbar an meine Lehrzeit, in der Sie mir die Gelegenheit boten, etwas Tüchtiges zu erlernen als Fundament für mein späteres Leben“17 oder „wie oft gehen meine Gedanken zu all den schönen Stunden, die ich bei Kameradschaftsabenden oder irgendwelchen anderen Feiern verbringen durfte.“18
Insbesondere in den späteren Kriegsjahren drücken die Briefe Zukunftswünsche aus, die den Krieg als überlebbar erscheinen lassen: „Nach unserem Sieg freue ich mich, wenn ich meine Kenntnisse bei Ihrer Firma werde verwerten können“19.
Soldatische Männlichkeit im Zweiten Weltkrieg
Soldatische Männlichkeit war kein NS-spezifisches Konzept,20 erhielt aber im Nationalsozialismus eine hegemoniale Zuspitzung. Ab Beginn des Zweiten Weltkriegs definierte sich hegemoniale Männlichkeit primär als Frontmännlichkeit.21 „Ich bin stolz darauf, daß ich als Nachrichtenmann in der vordersten Linie sein durfte“22, schrieb ein Soldat zur Eroberung Frankreichs. Die Front wurde zum Ort männlicher Bewährung, an dem Mut und Kampfbereitschaft die normative Messlatte männlicher Identität setzten.

Ab Sommer 1941, mit dem Überfall auf die Sowjetunion, etablierte sich die Ostfrontmännlichkeit als Ideal. Der Referenzrahmen männlicher Härte – gegenüber sich selbst und den Gegnern – half den Soldaten, sich in den als extrem wahrgenommenen Umwelt- und Lebensbedingungen des Ostfeldzugs zu orientieren, und diente zugleich als Leistungsnachweis gegenüber der Heimat.23
Auch in der Feldpost der Hammerbrotwerke finden sich wiederholt Schilderungen der eisigen Kälte und vermeintlich unzivilisierten Zustände, die einerseits die persönliche Härte der Soldaten hervorheben sollten und andererseits dazu dienten, die Kriegsgegner und den Kommunismus rassistisch und politisch abzuwerten:24
„Wir sind in vorderster Linie, wir setzen nichts in diesen Lagen als Schnee, Feind und trostlose Weite, tagelang kommen wir nicht aus den Stiefeln. Der wärmende Ofen ist sehr weit […] Kälte und Schneestürme schütteln uns durch […].“25
Ein anderer Soldat schrieb wenige Monate zuvor:
„was man hier an Not und Elend sieht, ist furchtbar. Es tut einem das Herz weh, wenn man die Kinder in den elenden Lehmhütten sieht. Das Selbstverständlichste, ein Bett, kennen diese Kulturmenschen nicht. Seid froh, daß ihr so schöne Heime und so ein gutes Leben habt.“26
Pflicht, Disziplin, Ehre und Opferbereitschaft
Feldpostforschung, die Geschlecht als Analysekategorie einbezieht, zeigt, dass das Festhalten an männlich konnotierten Eigenschaften den Soldaten half, Gefühle zu ordnen, das eigene Handeln in vertraute Deutungs- und Sinnmuster einzuordnen und Gewalt zu legitimieren. Explizit wurde soldatische Männlichkeit in den Feldpostbriefen jedoch selten thematisiert, sondern überwiegend indirekt über bestimmte Attribute hergestellt. Neben der Härte zählten dazu etwa Pflichtbewusstsein, Disziplin, Ehre und Opferbereitschaft.27

Ein zentrales Narrativ war das des Mannes als Beschützer der Heimat. Diese national orientierte Deutung rahmte den Krieg als notwendige Verteidigungsmaßnahme gegen vermeintlich aggressive Gegner und fungierte als moralischer Anker, die eigene Beteiligung an Gewalt zu legitimieren.28 Oder, in den Worten des eingangs zitierten Vinzenz Siegelbauer gesprochen:
„Es ist ein wunderbares, herrliches Gefühl, dem Vaterlande in der Zeit der Bedrängnis in treuer Pflichterfüllung zu dienen.“29
Auch die anderen Attribute spiegeln sich in der Feldpost der Hammerbrotwerke wider. So heißt es beispielsweise: „Die Disziplin ist hart, aber gerecht. Sie ist notwendig und kein anständiger Soldat wird sich ihr zu entziehen trachten.“30
Selbstzensur in der Feldpost

Militärische Auszeichnungen und Beförderungen fungierten als Marker männlicher Bewährung und werden in den Briefen entsprechend oft hervorgehoben. Auch Schilderungen militärischer Kampfhandlungen sollen die eigene Tapferkeit und Wehrkraft unter Beweis stellen. Individuelle Gewaltausübungen oder Zerstörungen werden jedoch nicht thematisiert, es bleibt bei einem kollektiven „wir“.31
Wer nicht an der Front kämpfte, sah sich zu Rechtfertigungen gezwungen:
„Ich bin nämlich zur Bäckerei versetzt worden, aber nicht etwa, weil ich kein guter Soldat bin, sondern so wie Schlosser, Schmiede und so weiter gebraucht und herausgesucht wurden. […] Ich hoffe, daß deshalb niemand von mir schlecht denkt“ .32
Diese Verteidigungsrhetorik zeigt die Konformitätszwänge des nationalsozialistischen Männlichkeitsideals, das zwar Prestige und Anerkennung versprach, gleichzeitig aber ein Abweichen von den normativen Erwartungen erschwerte.33 Vor diesem Hintergrund enthalten die in der Werkszeitung der Hammerbrotwerke veröffentlichten Feldpostbriefe kaum offene Äußerungen über existenzielle Bedrohungen, körperliche Erschöpfung oder psychische Belastungen.
Besonders deutlich wird dies in den Briefen von der Ostfront, wo sich die militärische Lage für die Wehrmacht ab 1942/43 zunehmend verschlechterte. In den Briefen bleiben zentrale Aspekte dieser Entwicklung wie Versorgungsengpässe, Hunger und die sowjetische Gegenoffensive unerwähnt. Darüber hinaus werden weitere Dimensionen der Kriegsrealität ausgeklammert, darunter die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung, Gewalt gegen Zivilist*innen sowie andere Kriegsverbrechen.34 All dies passte nicht zu dem idealisierten soldatischen Selbstbild, das die Schreibenden und/oder die Redaktion vermitteln wollten.
Selbst wenn Tiefpunkte in den abgedruckten Briefen angedeutet werden, erfolgt meist eine sofortige Relativierung durch Allgemeinplätze oder Floskeln, die Sicherheit herstellen und Zuversicht ausdrücken sollten: „Es gibt natürlich ein wenig Druck, aber so ist halt das Militärleben einmal. Na, wir werden es ja auch einmal geschafft haben und ein bißchen Schliff kann einen Wiener nicht erschüttern.“35
Fazit
Die in der Werkszeitung der Hammerbrotwerke veröffentlichten Feldpostbriefe bildeten einen Kommunikationsraum zwischen Selbstinszenierung und externen Erwartungen, in dem die Schreibenden soldatische Männlichkeitsbilder performativ herstellten. Die Briefe sind dabei nicht als Beschreibungen von Ist-Zuständen, sondern als Ausdruck angestrebter Idealbilder zu lesen.
Die Analyse zeigt, dass die Schreibenden die gängigen Sinnangebote soldatischer Männlichkeit nutzten, um ihre durch Gewalt, Verlust und Entbehrung geprägte Wirklichkeit zu strukturieren. Die Brutalitäten und Belastungen des Krieges erhielten Sinn, wenn sie als Stationen eines Weges verstanden wurden, der Männlichkeit versprach und zugleich immer wieder neu einforderte.
Die Leitbilder soldatischer Männlichkeit boten darüber hinaus eine Brücke zur Heimat. Mit zunehmender Kriegsdauer wuchs die Distanz der Lebenswelten; vermeintlich geteiltes Geschlechterwissen bot Anschlussfähigkeit und half, trotz auseinanderdriftender Erfahrungen kommunikative Bindungen aufrechtzuerhalten.
Abbildungen
Abb. 1: Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, 4. Jahrgang, Heft 3, März 1940 (links) und Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., 5. Jahrgang, Heft 2, Februar 1941, S. 22 (rechts). Quelle: ANNO/Österreichische Nationalbibliothek, Collage durch M. Wittfeld
Abb. 2: Brüder Kohn KG (B. K. W. I.) (Hersteller), 11., Innerbergerstraße 28 – Hammerbrotwerke, Ansichtskarte, um 1910. Quelle: Wien Museum Inv.-Nr. 205529, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/39113/)
Abb. 3: O.V. ‘Liebesgabenpakete’, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, 3. Jahrgang, Heft 12, Dezember 1939, S. 90. Quelle: ANNO/Österreichische Nationalbibliothek
Abb. 4: Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., 8. Jahrgang, Heft 1-2, Januar/Februar 1944, S. 7. Quelle: ANNO/Österreichische Nationalbibliothek
Abb. 5: Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., 6. Jahrgang, Heft 1-2, Januar/Februar 1942, S. 7. Quelle: ANNO/Österreichische Nationalbibliothek
Abb. 6: Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., 7. Jahrgang, Heft 4-5, April/Mai 1943, S. 27. Quelle: ANNO/Österreichische Nationalbibliothek
Anmerkungen
- Feldpostbrief von Vinzenz Siegelbauer, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, “Soldaten berichten uns“, 3. Jahrgang, Heft 12, Dezember 1939, S. 89.
- Vgl. „Von den Angehörigen unserer Betriebe“, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, 3. Jahrgang, Heft 11, November 1939, S. 84.
- Feldpostbrief von Vinzenz Siegelbauer, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, “Soldaten berichten uns“, 3. Jahrgang, Heft 12, Dezember 1939, S. 89.
- 1969 wurden die Hammerbrotwerke nach zahlreichen Besitzwechseln schließlich von der Schoeller-Gruppe mit der Ankerbrotfabrik fusioniert. Vgl. Zoitl, H. (1988) ‘Gegen den Brotwucher! Die Gründung der Wiener Hammerbrotwerke’, Zeitgeschichte, 16(3), S. 79-103; Ezsöl, A. (1997) Schwechater Straßennamen und ihre Geschichte. 75 Jahre Stadt Schwechat, S. 26-27.
- Vgl. Heise, J. S. (2000) Für Firma, Gott und Vaterland. Betriebliche Kriegszeitschriften im Ersten Weltkrieg. Das Beispiel Hannover. Hannoversche Studien, Band 9. Verlag Hahnsche Buchhandlung.
- Vgl. Latzel, K. (1998) Deutsche Soldaten – nationalsozialistischer Krieg? Kriegserlebnis – Kriegserfahrung 1939-1945. Schöningh, S. 17-18. Siehe dazu auch: Diekmannshenke, H. (2011) ‚Feldpostbriefe als linguistischer Forschungsgegenstand‘, in V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 47-59; Hämmerle, C. (2011). ‚Entzweite Beziehungen? Zur Feldpost der beiden Weltkriege aus frauen- und geschlechtergeschichtlicher Perspektive‘, in V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 243-254; Lamprecht, G. (2001) Feldpost und Kriegserlebnis. Briefe als historisch-biographische Quelle. StudienVerlag; Latzel, K. (1999) ‘Kriegsbriefe und Kriegserfahrung: Wie können Feldpostbriefe zur erfahrungsgeschichtlichen Quelle werden?’, WerkstattGeschichte, 22. Ergebnisse Verlag, S. 7-23.
- Vgl. Werner, F. (2014) ‘Krieg, Massenmord und Männlichkeit. Soldatische Selbstbilder im deutschen Vernichtungskrieg 1941-1944’, in Quinkert, B. & Morré, J. (Hrsg.) Deutsche Besatzung in der Sowjetunion 1941-1944. Vernichtungskrieg, Reaktionen, Erinnerung, Ferdinand Schöningh Verlag, S. 155-174; Werner, F. (2013) ‘„Noch härter, noch kälter, noch mitleidloser“. Soldatische Männlichkeit im deutschen Vernichtungskrieg 1941-1944’, in Dietrich, A. & Heise, L. (Hrsg.) Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus, Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, S. 46; Werner, F. (2011) ‘Soldatische Männlichkeit im Vernichtungskrieg. Geschlechtsspezifische Dimensionen der Gewalt in Feldpostbriefen 1941-1944’, in V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 283-294; Müller, S. O. (2007) Deutsche Soldaten und ihre Feinde. Nationalismus an Front und Heimatfront im Zweiten Weltkrieg. S. Fischer Verlag, S. 156-175.
- Es ist anzunehmen, dass Briefe oder Briefpassagen, die den Interessen der Firma oder den Propagandalinien der NS-Führung widersprachen, nicht veröffentlicht wurden.
- Siehe hierzu auch Humburg, M. (2011) ‘„Jedes Wort ist falsch und wahr – das ist das Wesen des Worts.“ Vom Schreiben und Schweigen in der Feldpost’, in V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 83.
- Die Forschung ist sich unsicher, inwieweit die offiziellen Zensurmaßnahmen das Schreiben der Soldaten beeinflussten. Allgemein wird jedoch angenommen, dass ihr Einfluss eher gering war, da nur ein sehr kleiner Teil der täglich versandten Schreiben kontrolliert wurde. Praktische Umgehungsmöglichkeiten, etwa die Mitgabe von Briefen an Heimaturlauber, verstärkten diesen Effekt. Vgl. Buchbender, O. & Sterz, R. (1982) Das andere Gesicht des Krieges. Deutsche Feldpostbriefe 1939-1945, Beck, S. 24.
- Zur Feldpostzensur siehe neben Buchbender & Sterz (1982) auch Ebert, J. (2020) ‘Feldpost’, in Matthews‑Schlinzig, M. I., Schuster, J., Steinbrink, G. & Strobel, J. (Hrsg.) Handbuch Brief. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Band 1: Interdisziplinarität – Systematische Perspektiven – Briefgenres, De Gruyter, S. 1347-1362; Ziemann, B. (1996) ‘Feldpostbriefe und ihre Zensur in den zwei Weltkriegen’, in Beyrer, K. & Täubrich, H.-C. (Hrsg.) Der Brief. Eine Kulturgeschichte der schriftlichen Kommunikation, Ed. Braus, S. 163-171.
- Die 67 Ausgaben sind im Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek erhalten und im digitalen Zeitungsportal ANNO einsehbar (https://anno.onb.ac.at/info/whb_info.html). Die Erforschung der Werkszeitung wurde der Verfasserin dieses Artikels durch das Wissenschaftsstipendium der Stadt Wien ermöglicht.
- Dieselbe Praxis wurde bereits im Ersten Weltkrieg von Unternehmen angewendet. Vgl. Heise, J. S. (2000) Für Firma, Gott und Vaterland. Betriebliche Kriegszeitschriften im Ersten Weltkrieg. Das Beispiel Hannover. Hannoversche Studien, Band 9. Verlag Hahnsche Buchhandlung, S. 198-215.
- Ganz im Sinne des Propagandaministeriums, das die Veröffentlichung von Feldpost zur Motivation von Front und Heimat forcierte.
- Vgl. Schwender, C. (2011) ‘Feldpost als Medium sozialer Kommunikation’, in V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 127-138; Diekmannshenke, H. (2011) ‚Feldpostbriefe als linguistischer Forschungsgegenstand‘, in V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 55-56; Latzel, K. (1998) Deutsche Soldaten – nationalsozialistischer Krieg? Kriegserlebnis – Kriegserfahrung 1939-1945. Schöningh, S. 35.
- Aussagen wie „In der Hoffnung, daß ihr mich nicht vergeßt“ oder „Wenn ich die Werkszeitung lese, so kommt es mir immer so vor, als ob ich unter Euch wäre“ finden sich wiederholt in den Briefen. Vgl. Feldpostbrief von Otto Maringer, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 8. Jahrgang, Heft 3-5, März/Mai 1944, S. 18 und Feldpostbrief von Toni Martschitsch, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, „Feldpostbriefe, die uns erreichten“, 4. Jahrgang, Heft 6, Juni 1940, S. 43-44.
- Feldpostbrief von Kan. Hans Kirchner, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 8. Jahrgang, Heft 11-12, November/Dezember 1944, S. 44.
- [1]Feldpostbrief von Gefr. Josef Fleck, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 6. Jahrgang, Heft 1-2, Januar/Februar 1942, S. 7-8.
- Feldpostbrief von Kan. Hans Kirchner, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 8. Jahrgang, Heft 11-12, November/Dezember 1944, S. 44.
- Siehe hierzu u.a. Wind, V. (2020) Der “Arbeiter im Waffenrock”. Die sozialdemokratische Konstruktion soldatischer Männlichkeit in der “österreichischen Revolution”, Diplomarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz, https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/5518513?utm_source und den entsprechenden fernetzt-Beitrag Der „Arbeiter im Waffenrock“ in der österreichischen Volkswehr (15.9.2023); Szczepaniak, M. (2011) Militärische Männlichkeiten in Deutschland und Österreich im Umfeld des Großen Krieges. Konstruktionen und Dekonstruktionen. Königshausen & Neumann; Frevert, U. (2008) ‘Das Militär als Schule der Männlichkeiten’, in Brunotte, U. and Herrn, R. (Hrsg.) Männlichkeiten und Moderne. Geschlecht in den Wissenskulturen um 1900, transcript Verlag, S. 57-75; Rohkramer, T. (1995) ‘Das Militär als Männerbund? Der Kult soldatischer Männlichkeit im Deutschen Kaiserreich’, Westfälische Forschungen, 45, S. 169-187. http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=2634&url_tabelle=tab_literatur.
- Vgl. Küntzel, S. (2023) Kolonialismus im Krieg. Die Kriegserfahrung deutscher Wehrmachtsoldaten im Nordafrikafeldzug, 1941-1943. transcript Verlag; Dietrich, A. & Heise, L. (2012) ‘Perspektiven einer kritischen Männlichkeitsforschung zum Nationalsozialismus: Eine theoretische und pädagogische Annäherung’, in Dietrich, A. & Heise, L. (Hrsg.) Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus, Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, S. 7-35; Werner, F. (2013) ‘„Noch härter, noch kälter, noch mitleidloser“. Soldatische Männlichkeit im deutschen Vernichtungskrieg 1941-1944’, in ebd., S. 46-50.
- Feldpostbrief von Toni Martschitsch, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, „Aus eingelangten Soldatenbriefen“, 4. Jahrgang, Heft 7-8, Juli/August 1940, S. 55.
- Vgl. Werner, F. (2014) ‘Krieg, Massenmord und Männlichkeit. Soldatische Selbstbilder im deutschen Vernichtungskrieg 1941-1944’, in Quinkert, B. & Morré, J. (Hrsg.) Deutsche Besatzung in der Sowjetunion 1941-1944. Vernichtungskrieg, Reaktionen, Erinnerung, Ferdinand Schöningh Verlag, S. 160-163; Werner, F. (2013) ‘„Noch härter, noch kälter, noch mitleidloser“. Soldatische Männlichkeit im deutschen Vernichtungskrieg 1941-1944’, in Dietrich, A. & Heise, L. (Hrsg.) Männlichkeitskonstruktionen im Nationalsozialismus, Peter Lang Internationaler Verlag der Wissenschaften, S. 50-57; Werner, F. (2011) Soldatische Männlichkeit im Vernichtungskrieg. Geschlechtsspezifische Dimensionen der Gewalt in Feldpostbriefen 1941-1944, in: V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 285-289; Humburg, M. (2011) ‘„Jedes Wort ist falsch und wahr – das ist das Wesen des Worts.“ Vom Schreiben und Schweigen in der Feldpost’, in V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 79; Ebert, J. (2010) Feldpostbriefe aus Stalingrad: November 1942 bis Januar 1943. 1. Auflage. Wallstein Verlag, S. 388ff; Werner, F. (2008) ‘„Hart müssen wir hier draußen sein“. Soldatische Männlichkeit im Vernichtungskrieg 1941-1944’, Geschichte und Gesellschaft, 34(1), S. 22-26; Latzel, K. (1995) ‘Tourismus und Gewalt. Kriegswahrnehmungen in Feldpostbriefen’, in Heer, H. & Naumann, K. (Hrsg.), Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944. Hamburg: Hamburger Edition, S. 454.
- Siehe hierzu Kipp, M. (2014) „Großreinemachen im Osten“. Feindbilder in deutschen Feldpostbriefen im Zweiten Weltkrieg. Campus Verlag, S. 146ff; Stenzel, T. (1998) ‘Das Rußlandbild des „kleinen Mannes“: Gesellschaftliche Prägung und Fremdwahrnehmung in Feldpostbriefen aus dem Ostfeldzug (1941-1944/45)’, in Mitteilungen / Osteuropa-Institut München, Historische Abteilung, S. 122-123. Verfügbar unter: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-63284-8 [Zugriff: 01.12.2025].
- Feldpostbrief von Gustav Glupi, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 6. Jahrgang, Heft 3-4, März/April 1942, S. 15.
- Feldpostbrief von Franz Ambros, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 5. Jahrgang, Heft 11-12, November/Dezember 1941, S. 89.
- Vgl. Kipp, M. (2014) „Großreinemachen im Osten“. Feindbilder in deutschen Feldpostbriefen im Zweiten Weltkrieg. Campus Verlag, S. 277-279; Werner, F. (2014) ‘Krieg, Massenmord und Männlichkeit. Soldatische Selbstbilder im deutschen Vernichtungskrieg 1941-1944’, in Quinkert, B. & Morré, J. (Hrsg.) Deutsche Besatzung in der Sowjetunion 1941-1944. Vernichtungskrieg, Reaktionen, Erinnerung, Ferdinand Schöningh Verlag, S. 158-159; Werner, F. (2011) Soldatische Männlichkeit im Vernichtungskrieg. Geschlechtsspezifische Dimensionen der Gewalt in Feldpostbriefen 1941-1944, in: V. Didczuneit, J. Ebert, & T. Jander (Hrsg.) Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege (Konferenz im Museum für Kommunikation Berlin, 13. bis 15. September 2010). Klartext Verlag, S. 285; Latzel, K. (1998) Deutsche Soldaten – nationalsozialistischer Krieg? Kriegserlebnis – Kriegserfahrung 1939-1945. Schöningh, S. 315.
- Vgl. Beeker, M. (2019) ‘Konstruktionen des Krieges: Die Frontzeitung „Ost-Front“ der 6. Armee beim Überfall auf die Sowjetunion 1941’, Militärgeschichtliche Zeitschrift, 78(1), S. 84-85; Müller, S. O. (2007) Deutsche Soldaten und ihre Feinde. Nationalismus an Front und Heimatfront im Zweiten Weltkrieg. S. Fischer Verlag, S. 165-167; Werner, F. (2008) ‘„Hart müssen wir hier draußen sein“. Soldatische Männlichkeit im Vernichtungskrieg 1941-1944’, Geschichte und Gesellschaft, 34(1), S. 16; Stenzel, T. (1998) ‘Das Rußlandbild des „kleinen Mannes“: Gesellschaftliche Prägung und Fremdwahrnehmung in Feldpostbriefen aus dem Ostfeldzug (1941-1944/45)’, in Mitteilungen / Osteuropa-Institut München, Historische Abteilung, 27. Verfügbar unter: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-63284-8 [Zugriff: 01.12.2025].
- Feldpostbrief von Vinzenz Siegelbauer, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, “Soldaten berichten uns“, 3. Jahrgang, Heft 12, Dezember 1939, S. 89.
- Feldpostbrief von Anton Sruk, in Werkszeitung der Hammerbrotwerke Aktiengesellschaft, “Soldaten berichten uns“, 3. Jahrgang, Heft 12, Dezember 1939, S. 88.
- Vgl. Latzel, K. (1998) Deutsche Soldaten – nationalsozialistischer Krieg? Kriegserlebnis – Kriegserfahrung 1939-1945. Schöningh, S. 244.
- Feldpostbrief von Franz Höbert, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 6. Jahrgang, Heft 7-8, Juli/August 1942, S. 38.
- Das Streben nach soldatischer Männlichkeit konnte Handlungsspielräume jedoch nicht nur einengen, sondern auch erweitern. Frank Werner hebt hervor, dass Beteiligungen an Erschießungen und anderen Tötungsaktionen oft freiwillig erfolgten. Solche initiativen Gewaltakte können als selbstermächtigte Versuche gelesen werden, männliches Sozialprestige zu steigern. Vgl. Werner, F. (2014) ‘Krieg, Massenmord und Männlichkeit. Soldatische Selbstbilder im deutschen Vernichtungskrieg 1941-1944’, in Quinkert, B. & Morré, J. (Hrsg.) Deutsche Besatzung in der Sowjetunion 1941-1944. Vernichtungskrieg, Reaktionen, Erinnerung, Ferdinand Schöningh Verlag, S. 164ff.
- Zur Analyse von Feldpostbriefen aus dem Russlandfeldzug siehe u.a. Kipp, M. (2014) „Großreinemachen im Osten“. Feindbilder in deutschen Feldpostbriefen im Zweiten Weltkrieg. Campus Verlag; Ebert, J. (2010) Feldpostbriefe aus Stalingrad: November 1942 bis Januar 1943. 1. Auflage. Wallstein Verlag; Stenzel, T. (1998) ‘Das Rußlandbild des „kleinen Mannes“: Gesellschaftliche Prägung und Fremdwahrnehmung in Feldpostbriefen aus dem Ostfeldzug (1941-1944/45)’, in Mitteilungen / Osteuropa-Institut München, Historische Abteilung, 27. Verfügbar unter: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-63284-8 [Zugriff: 01.12.2025].
- Feldpostbrief von Otto Maringer, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 8. Jahrgang, Heft 3-5, März/Mai 1944, S. 18. Ein anderes Beispiel: „Sonst geht es mir gut, wenn es auch oft schwere Stunden gibt, die aber durch unseren Soldatenhumor in schöne umgewandelt werden.“ Feldpostbrief von Lorenz Hobza, in Werkszeitung der Hammerbrotgesellschaft m.b.H., „Soldaten grüßen uns“, 7. Jahrgang, Heft 4-5, April/Mai 1943, S. 27.
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