Nicht nur dokumentieren, sondern selber Geschichte machen: frida feiert ihr 30. Jubiläum

Der Verein „Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich“ (frida) feiert sein 30. Jubiläum. Ein Blick in die Geschichte und ein Ausblick auf die Aktivitäten im Jubiläumsjahr zeigt seine erfolgreiche feministische Arbeit!

Eine Postkarte von frida (Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich)
Postkarte von frida (2018); Abbildungen von links oben: Dohnal Archiv, STICHWORT, Ariadne, Frauen*Solidarität, Sammlung Frauennachlässe, STICHWORT. Quelle: frida.

Der Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich (frida) wurde 1992 gegründet, um feministische Bibliotheken, Archive und Dokumentationseinrichtungen zu vernetzen. Neben der Vernetzung steht im Vordergrund, die Ergebnisse aus Frauen*- und Geschlechtergeschichte bzw. -forschung sichtbar zu machen, einen Raum für Erfahrungsaustausch, Zusammenarbeit und inhaltliche Diskussionen anzubieten und eigene Forschungsprojekte durchzuführen und zu begleiten.[1] Die Vereinsgründung geht auf ein Treffen von „29 Vertreterinnen aus der autonomen wie auch aus der institutionalisierten Frauendokumentationsszene, aus dem Wissenschafts- und dem damaligen Frauenministerium“ im August 1991 zurück.[2] Derzeit sind 16 Einrichtungen – bzw. die von ihnen aufgebauten Bibliotheken – sowie zwanzig Einzelpersonen in frida vernetzt.[3]

Ein Blick zurück: frida und ihre ersten Projekte

Wie in fast allen Arbeitsbereichen waren Frauen* auch im Bibliotheks- und Dokumentationsbereich nicht oder nur kaum sichtbar. Die Geschichte vergisst, verschweigt oft Frauen, sie werden unsichtbar. Dies zu verändern, war ein Ziel von frida![4]

Das erste große Projekt des Netzwerkes war „thesaurA“, initiiert von Helga Klösch-Melliwa und Angelika Zach im Jahr 1994. Anlass war die Feststellung der frida-Frauen*, dass es keinerlei feministische Beschlagwortung in öffentlichen Einrichtungen gab, obwohl Frauenarchive und -bibliotheken im deutschsprachigen Raum diese bereits seit den 1980er Jahren entwickelten. Nach zwei Jahren Arbeit erschien 1996 die dazugehörige Publikation „thesaurA. Österreichscher Frauenthesaurus“. Die Bedeutung dieser Veröffentlichung schilderten Klösch-Melliwa und Zach so: „Ein Frauenthesaurus hat den Anspruch, ein frauenpolitisches Instrument zu sein. Das bedeutet, herkömmliche Dokumentationssprache gesellschaftskritisch, bewußtseinskritisch und sprachkritisch zu analysieren, frauendiskriminierende Mechanismen und Strategien zu erkennen und zu beseitigen und somit auf Veränderungen in der dokumentarischen Praxis abzuzielen.“[5] Auch heute bleibt dieser Zugang zur Dokumentationsarbeit aktuell.

Buchcover eines Bandes des Lexikon Österreichischer Frauen
Buchcover eines Bandes des Lexikon Österreichischer Frauen, 2016. Quelle: frida/biografia.

1998 wurde das Projekt „biografiA“ im Kontext von frida initiiert. Durchgeführt von der Dokumentationsstelle Frauenforschung des außeruniversitären Instituts für Wissenschaft und Kunst (IWK) mündete das Projekt in einer biografischen Datenbank und dem vierbändigen „Lexikon österreichischer Frauen“[6], sowie der Publikationsreihe „biografiA – Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung“[7], die derzeit 27 Bände umfasst. Durch biografiA wurden tausende Biografien österreichischer Frauen* dokumentiert und so vor dem Vergessen bewahrt.

2001 wurde „kolloquiA. Frauenbezogene, feministische Dokumentation und Informationsarbeit in Österreich“[8] publiziert. Das von Helga Klösch-Melliwa herausgegebene Grundlagenwerk war die erste Bestandsaufnahme der feministischen Informationsarbeit in Österreich.

Ebenso stellt die Vernetzung mit feministischen Projekten ein Betätigungsfeld von frida dar. 2005 wurde frida Mitglied des Österreichischen Frauenrings, der Dachorganisation österreichischer Fraueninitiativen. 2003 und 2014 organisierten die frida-Mitglieder STICHWORT und Frauen*solidarität, unterstützt von der Sammlung Frauennachlässe, Treffen des i.d.a. Dachverband deutschsprachiger Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen; die Vernetzung mit und die Teilnahme an i.d.a. ist sehr fruchtbar. Ebenso sind im Onlinekatalog Meta, der eine zentrale Suche in den Beständen der i.d.a.-Mitglieder erlaubt, vier frida-Einrichtungen (AEP – Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft, Frauen*solidarität, Sammlung Frauennachlässe und STICHWORT) vertreten. Was Meta kann, ist in einem früheren fernetzt-Beitrag nachzulesen; aufgrund der enormen Vielfalt – Bücher, Archivquellen, Objekte, Filme und vieles mehr – ist Meta für die Frauen*bewegungsgeschichte eine zentrale Ressource.

Das 30. Jubiläum

Buchcover von tesaurA Österreichischer Frauenthesaurus, 1996
Buchcover des tesaurA Österreichischer Frauenthesaurus, 1996. Quelle: frida/thesaura.

2022 feiert frida ihr 30-jähriges Bestehen. Der schöne Anlass wird mit verschiedenen Aktivitäten begangen,[9] wovon zwei große Vorhaben direkt an die frühen frida-Projekte anknüpfen: In einem Workshop werden sich Fachfrauen* kritisch mit den Politiken der aktuellen Sacherschließung in Bibliothekskatalogen auseinandersetzen und Möglichkeiten einer geschlechtergerechten Umsetzung skizzieren.[10] Zudem wird ein Themenheft der Zeitschrift „VÖB-Mitteilungen. Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen & Bibliothekare“ herausgegeben. Darin wird einerseits das frida-Netzwerk vorgestellt, andererseits werden aktuelle Themen und Projekte der feministischen Dokumentationsarbeit wissenschaftlich bearbeitet. Die Themen der Beiträge reichen von neuzeitlichen Klosterbibliotheken über queer-feministische DIY-Kulturen und Fan-Zines bis hin zu aktuellen Fragen der Digitalisierung.[11]

Ein weiteres großes Vorhaben ist bereits abgeschlossen. Der Idee „nicht nur zu dokumentieren, sondern selber Geschichte machen“ folgend führten vier derzeit aktive frida-Aktivistinnen* lebensgeschichtliche Interviews mit frida-Mitgründerinnen und ehemaligen Vorstandsfrauen. Die Interviewreihe wurde in Zusammenarbeit mit dem Projekt MenschenLeben der Österreichischen Mediathek durchgeführt. Wer reinhören will, findet die gesammelten Interviews hier. Die Erfahrungen der frida-Aktivistinnen* bei der Durchführung der Interviews werden in einem kommenden zweiten fernetzt-Blogbeitrag vorgestellt.

Es wird gefeiert: Hinweis auf die kommenden Veranstaltungen

Der Workshop zur geschlechtergerechten Sacherschließung in Bibliothekskatalogen und die Präsentation des Themenheftes der „VÖB-Nachrichten“ sind für den 11. Mai 2022 geplant. Der 11. Mai als „Tag der Frauenarchive“ ist für diese Gelegenheit mehr als passend. Mehr Informationen findet ihr auf der frida-Webseite.

Wir freuen uns darauf, mit vielen Interessierten und Mitstreiter*innen unser Jubiläum zu feiern – auf die nächsten 30 Jahre!

Danksagung

Ich danke Li Gerhalter, Lizzi Kramberger und Maria Steiner für ihre Unterstützung bei der Erstellung dieses Beitrags.

Elizabeth Kata

Anmerkungen

[1] Vgl. https://frida.at/. Abgerufen: 2022-04-10.

[2] frida, Geschichte, https://frida.at/geschichte. Abgerufen: 2022-02-20.

[3] Aktuell sind folgende Einrichtungen beteiligt: AEP – Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft, Ariadne – frauen- und genderspezifisches Wissensportal der Österreichischen Nationalbibliothek, Denk/Raum Gender and beyond – Fachbibliothek der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Dokumentationsstelle Frauenforschung am Institut für Wissenschaft und Kunst, EfEU – Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtsmodelle, Frauen*solidarität – feministisch-entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit, Frauengesundheitszentrum, Verein Frauenservice, gendup – Koordinationsstelle für Gender Studies und Gleichstellung an der Universität Salzburg, Johanna Dohnal Archiv, Referat Genderforschung an der Universität Wien, Sammlung Frauennachlässe am Institut für Geschichte der Universität Wien, STICHWORT – Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung, VALIE EXPORT Center Linz – Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst, Zentrum für Genderforschung an der Kunstuniversität Graz, Zines Archiv – Sammlung Elke Zobl am gendup in Salzburg. Für eine vollständige Auflistung der Mitglieder vgl. frida, Mitglieder, https://frida.at/mitglieder. Abgerufen: 2022-04-14.

[4] Eine ausführliche Darstellung der Geschichte von frida ist auf der Website verfügbar sowie im Beitrag Gerhalter, Li (2022): Frauen – Information – Dokumentation – Archiv. Das feministische Netzwerk frida, in: Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen & Bibliothekare 75/1 (Hg. von Susanne Blumesberger, Li Gerhalter und Lydia Jammernegg).

[5] Klösch-Melliwa, Helga; Zach, Angelika; FRIDA – Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich (Hg.) (1996): ThesaurA. Österreichischer Frauenthesaurus. Wien: Österreichische Staatsdruckerei. (Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft, Bd. 5). S. 13.

[6] Korotin, Ilse (Hg.) (2016): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. 4 Bd. Wien: Böhlau Verlag. Open Access verfügbar: https://e-book.fwf.ac.at/o:886 (Bd 1: A-H), https://e-book.fwf.ac.at/o:887 (Bd 2: I-O), https://e-book.fwf.ac.at/o:888 (Bd. 3: P-Z), https://e-book.fwf.ac.at/o:889 (Bd. 4: Register). Abgerufen: 2022-04-14.

[7] Eine Übersicht der Publikationen ist auf der Website von biografiA abrufbar: http://biografia.sabiado.at/publikationen/. Abgerufen: 2022-04-13.

[8] Helga Klösch-Melliwa et al. (2001): KolloquiA. Frauenbezogene / feministische Dokumentation und Informationsarbeit in Österreich. Lehr- und Forschungsmaterialien. (hg. frida –Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifi-scher Informations- und Dokumentationseinrich-tungen in Österreich). Wien: BMBWK. (Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft, Bd. 11).

[9] Siehe dazu: Gerhalter, Li: frida feiert das 30jährige Bestehen, in: STICHWORT-Newsletter 53/2022, S. 7–9.

[10] Siehe dazu: Gruber, Andrea; Luef, Evelyne: Geschlechtergerechte Sacherschließung in Diskussion, in: STICHWORT-Newsletter 53/2022, S. 9–10.

[11] Weiterführende Informationen dazu finden sich auf der Website von frida: https://frida.at/projekte/publikation-zum-thema-feministische-dokumentationsarbeit. Abgerufen: 2022-04-14.

Von |2022-04-15T08:14:34+02:0015. April 2022|Gesellschaft&Geschichte|0 Kommentare

Elizabeth Kata, Bacherlorstudium der Mediävistik und Germanistik am Bryn Mawr College (USA), Masterstudium der Geschichtsforschung, historischen Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft an der Universität Wien. Archives Associate im Archiv der International Atomic Energy Agency, vorher Archivarin im STICHWORT, Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung. Forschungsschwerpunkte: Bewegungsarchive, Archivalienkunde und digitale Langzeitarchivierung.

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